“Schon vor 25 Jahren wusste ich, dass es das Metaverse gibt”, erzählt Ruedi Maeder lächelnd. “Ich arbeitete damals mit dem Zauberer Marco Tempest zusammen, der mit neuen Technologien experimentierte. Er führte mich mit einer selbst gebauten VR-Brille in eine virtuelle Welt. Da stand ich plötzlich und völlig unvorbereitet auf dem Times Square in New York und dachte: ‘Wow!’” Wenn das massentauglich werde, so Maeder, dann gehe es ab. “Und da stehen wir heute!"

Nach dem Web 2, also nach Social Media, kommt nun also das Web 3: “Mark Zuckerberg will nach dem Web 2 auch das Metaverse dominieren, deshalb ist er so früh dran”, erklärt Maeder. “Doch Meta ist glücklicherweise nicht alleine.” Das Web 3 solle schliesslich nicht ein besseres Internet sein, sondern ein anderes.

“Die Ruhe rund um Google ist verräterisch”

Maeder ist überzeugt, dass es nicht nur ein einziges Metaverse, sondern sehr viele geben wird: “Es wird mit grosser Sicherheit dezentral sein. Jede und jeder kann ein eigenes Metaverse kreieren oder seinen Teil zu einem grösseren beitragen. Es gibt ja bereits mehrere: Decentraland, Sandbox oder Roblox.”

Wer am Ende das Metaverse beherrscht, sei noch nicht absehbar. Klar, Meta sei früh dabei, aber von Google und Apple beispielsweise höre man noch gar nichts. Das sei zwar ungewöhnlich, aber erklärbar: “Google und Apple neigen dazu, nichts zu kommunizieren, bis ein Projekt wirklich abgeschlossen ist. Die Ruhe rund um Google ist schon fast verräterisch, und ich bin überzeugt, dass etwas Grosses auf uns zukommt.”

“Das Metaverse wird unsere Gesellschaft verändern”

Woher kommt denn überhaupt sein grosses Interesse am Metaverse? Schliesslich gibt es noch nicht sonderlich viele Journalistinnen und Journalisten, die sich so stark wie Maeder damit auseinandersetzen. “Die Antwort ist ganz einfach: Es ist meine Neugierde”, sagt der Publizist. “Zudem bin ich überzeugt, dass das Metaverse etwas ist, das unsere Gesellschaft verändern wird.”

Er vergleicht den Hype um Metaverse mit jenem ums Internet vor mehr als 30 Jahren. “Warum es das Internet gibt ist die falsche Frage”, sagt Maeder. “Es gibt es einfach, wir alle nutzen es. In den Anfängen waren es einzelne Menschen und Unternehmen, die an einen Erfolg glaubten und es weiter entwickelten. So kam es langsam aber sicher in der breiten Öffentlichkeit an und erleichterte das Leben von uns allen.” Einen ähnlichen Weg werde auch das Metaverse gehen.

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Zwischendurch wechseln Ruedi Maeder und Gustavo Salami denn auch tatsächlich ins Metaverse. Die beiden treffen sich in einem Studio in MeetinVR und sprechen dort über ethische Fragen zum Metaverse. Obwohl sich die Szenerie zwar ändert - man befindet sich nun in einer Glaskapsel im Weltraum - bleiben Gedanken und Ausführungen gleich. Maeder ist beeindruckt vom Wechsel ins Metaverse: "Es ist zwar kein Ersatz für menschliche Interaktion. Aber eine Ergänzung, die unendlich viel kreativen Spielraum lässt."

Das Gespräch in voller Länge schauen: